Medizinischer Standard / Facharztstandard

Der Standard gibt Auskunft darüber, welches Verhalten von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt in der konkreten Behandlungssituation aus der berufsfachlichen Sicht seines Fachbereichs im Zeitpunkt der Behandlung vorausgesetzt und erwartet werden kann. Er repräsentiert den jeweiligen Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und der ärztlichen Erfahrung, der zur Erreichung des ärztlichen Behandlungsziels erforderlich ist und sich in der Erprobung bewährt hat.

 

Ob im Einzelfall der medizinische Standard gewahrt ist, darf das Gericht nicht aus eigener Sachkunde beurteilen. Vielmehr richtet sich diese Frage in erster Linie nach medizinischen Maßstäben, die der Tatrichter mithilfe eines Sachverständigen ermitteln muss. Verfügt der Tatrichter nicht ausnahmsweise selbst über das entsprechende medizinische Fachwissen –was die Ausnahme sein dürfte! – und legt dies in den Urteilsgründen dar, darf er den medizinischen Standard nicht ohne eine entsprechende Grundlage in einem Sachverständigengutachten bestimmen. Tut er dies dennoch, stellt dies einen  Revisionsgrund dar.