Schlichtungsverfahren / effektiv?

Ähnlich dem MDK-Gutachten dürfte der einzige Vorteil des Schlichtungsverfahrens tatsächlich darin liegen, dass Sie auf diesem Wege ebenfalls ein für Sie kostenfreies Gutachten zur der Frage erhalten, ob Ihrem Arzt bei Ihrer Behandlung ein Behandlungsfehler unterlaufen ist. Und, über die Möglichkeiten des MDK-Gutachtens hinaus, ob der Behandlungsfehler in objektiv zurechenbarer Weise den Ihnen entstandenen Gesundheitsschaden ausgelöst hat.

 

Im Übrigen nimmt auch die Schlichtungskommission wie das MDK-Gutachten keine Stellung zur Höhe der Ihnen aufgrund des erlittenen Schadens zustehenden Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Ferner, ebenfalls vergleichbar dem MDK-Gutachten, prüft die Gutachterkommission keine Aufklärungsfehler. Hinzu kommt, dass die Gutachterkommission weder für die Richtigkeit ihres Votums haftet. Auch stellt das Votum der Gutachterkommission weder eine rechtsverbindliche Entscheidung dar, noch bindet es die Gerichte. D.h. insbesondere, das Votum verpflichtet die Behandlerseite und deren Haftpflichtversicherung Ihnen gegenüber selbst dann nicht zu einer Schadensregulierung, wenn es eindeutig für Ihren Fall den Behandlungsfehler, die haftungsbegründende Kausalität und den Schaden bejaht!

 

Parallel dazu steht Ihnen natürlich auch dann, wenn die Schlichtungskommission in ihrem Votum einen Behandlungsfehler verneint, frei, Ihre Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gerichtlich geltend zu machen. Im Ergebnis führt sonach auch das Schlichtungsverfahren wie das MDK-Gutachten nicht zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld! Vergleichbar dem MDK-Gutachten besteht natürlich auch beim Schlichtungsverfahren die Möglichkeit, dass das Votum der Gutachterkommission schlichtweg falsch ist und zu Unrecht einen Behandlungsfehler, haftungsbegründende Kausalität und Schaden verneint.

 

Dies vor allem auch deshalb, weil die Kommissionsmitgliedern wie die MDK-Gutachter regelmäßig sich bereits im Ruhestand befindliche Ärzte und Juristen sein dürften, so dass sie dadurch über keine aktuellen praktischen Erfahrungen im medizinischen Berufsalltag mehr verfügen. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist es sonach durchaus denkbar, dass ein in Ihrem Fall tatsächlich vorliegender Behandlungsfehler seitens der Schlichtungskommission nicht als solcher erkannt und dargestellt wird.

 

Das heißt, dass Sie auch dann Ansprüche haben können, wenn die Kommissionen zu dem Ergebnis gelangen, dass in Ihrem Fall kein schadensbegründender Behandlungsfehler vorliegt. Im Ergebnis dürfte also auch der Weg über ein Schlichtungsverfahren vor dem Gutachterausschuss für die außergerichtliche Schadensregulierung wenig effektiv und zeitintensiv sein.